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Walter Herke

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Letzte Aktualisierung: 28.04.2026

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Peter, Gasslbrauch und Gasslspruch in Österreich.

Peter, Gasslbrauch und Gasslspruch in Österreich.

Peter, Ilka: Gasslbrauch und Gasslspruch in Österreich. Mit einer Verbreitungskarte der Gaßlreimformen. Salzburg, Otto Müller Verlag, (1953). 8° (21x14), 365 S, mit 1 doppelseitigen Karte, Oln mit OU, der Umschlag etwas fleckig und gering lädiert, sonst sauber und wohlerhalten,

Die allgemeine Vorstellung vom Liebeswerberbrauch in den Alpenländern ist durch einige oberflächliche Verallgemeinerungen bestimmt, die sich in der unbestimmten Kenntnis des ‚Fensterlns‘ zusammenfassen lassen. Demgegenüber hat die kulturhistorische Volkskunde, insbesondere die moderne skandinavische Richtung, darauf hingewiesen, daß wir es in den verschiedenen Formen der ‚Nachtfreierei‘ mit einer höchst altertümlichen Sitte zu tun haben, die auf der gegensätzlichen Spannung zwischen Hausvaterrecht und Burscherbundrecht fußt, wobei die Gemeinschaften der jungen Männer Formen des geselligen Beisammenseins des beiden Geschlechter und vor allem eine eigene sehr formelhafte Poesie gefunden haben, die zu den Kerngütern des älteren europäischen Volkslebens überhaupt gehören.
Ilka Peter hat die lebenden Zeugnisse dieser Sitte und vor allem dieser Poesie in ihren heutigen Zentren aufgesucht und so zu sammeln verstanden, daß es nunmehr keine Mißverständnisse und falschen Auslegungen dieser hochaltertümlichen alpenländischen Brauchgüter mehr geben kann. Die Träger des ‚Gaßlns‘ sind dabei ebenso hervorragend behandelt wie ihr Verhalten und ihre ‚Reime‘. Die Art des Vortrages und die Gliederung der langen Sprüche, ihre ganze formelhafte Aufbau- und Vortragsweise werden durch die Parallelisierung mit der mittelalterlichen Spottdichtung in ein neues Licht gerückt. Wesentliche, in den Gaßlsprüchen immer wiederkehrende Züge werden schließlich als Formeln aus dem Brauch und der Tracht der Gaßlburschen selbst erkannt und deren Eigengesetzlichkeit erstmalig dargestellt.
Der zweite Teil, der für die gesamte Volkslied- und Volksdichtungsforschung als Stoffdarbietung von zentraler Bedeutung ist, bringt zunächst das Brauchgut im besonderen Sammelgebiet der Verfasserin, in Salzburg, und zwar vor allem im Pinzgau, darüber hinaus aber auch in allen anderen österreichischen Landschaften, wo sich nur verwandte Züge finden. Eine Karte der Belegorte erläutert in kulturgeo-graphischer Art das Relief dieser Brauchverbreitung.
Der dritte Teil gibt den eigentlichen Gaßlreimstoff in seiner ganzen Fülle, so daß daraus ein erstmaliges Bild dieses ebenso urwüchsigen wie altertümlich formelhaften Spruchwesens hervorgeht.
Österreich erhält durch dieses Werk ein ebenbürtiges Gegenstück zu den großen skandinavischen Brauchmonographien, eine Arbeit, von der man wie von kaum einer zweiten sagen kann, daß sie eine tiefe und längst auch tiefempfundene Lücke aus-füllt. (Prof. Dr. Leopold Schmidt)

EUR 15,--