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Letzte Aktualisierung: 20.06.2026

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Müller, Selbstproträt

Müller, Selbstproträt

Müller, Erich (1923-1988 Bad Schussenried): Selbstbildnis als sitzende Halbfigur (1980) : Öl auf Graupappe : unter rechts signiert und datiert. wohnfertig in weisser Holzleiste 74 x 54 cm,

Von den vor 1960 entstandenen Arbeiten Erich Müllers ist wenig erhalten geblieben. Was in den fast dreißig Jahren bis 1988 entstand, ist weitgehend in Privatbesitz zerstreut. Der Nachlaß wird im Archiv der Stadt Biberach aufbewahrt. Ausstellungen fanden zu Lebzeiten mehrere statt, vor allem in den 70er und 80er Jahren, eine letzte 1988 in Tettnang. Damals erschien ein Katalog. Danach ist es still geworden um Erich Müller.

Am 10. April 1988 ist Erich Müller gestorben, 65 Jahre alt. Die letzten 23 Jahre seines Lebens hatte er im Psychiatrischen Landeskrankenhaus Bad Schussenried verbracht. Eine schwere Krankheit hat in seinem Gesicht Spuren hinterlassen. Späte Fotos zeigen den wuchtigen Kopf mit der markanten Kontur von Kinn und Backenknochen, der schweren Unterlippe, der vorstoßenden Nase, tief hängenden Tränensäcken, den Blick verschleiert, doch wach, wie aus großer Ferne. In den langen Jahren der Krankheit hat Erich Müller kontinuierlich weitergearbeitet. Ein kleiner Raum stand ihm als Atelier zur Verfügung. Dort entstanden Blumenstilleben, Landschaften und Bildnisse, fast ausschließlich Selbstporträts. Erich Müller malte nur, wenn ihn die Krankheit für kurze Zeit freigab. Er war kein malender ‚Geisteskranker‘. Er war Maler aus Berufung, einer, der gegen den Widerstand der Krankheit seine Form gefunden hat.
Erich Müller wurde am 4. Februar 1923 in Sarajewo geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in dieser Stadt. 1940 kam er nach Wien. Als Soldat war er in Rußland, wurde 1942 schwer verwundet und begann 1943 ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste Dresden. Nach dem Krieg setzte er sein Studium an der Akade mie der Bildenden Künste Wien fort. Aus dieser Zeit stammt die Bekanntschaft mit Joannis Avramidis, Josef Pillhofer und Karl Prantl. Nach dem Abschluß der Studien folgte eine unruhige Zeit: Aufenthalt in Paris, Rückkehr nach Wien, 1955-57 Stockholm, danach Stuttgart und 1958 ein erster Aufenthalt im Krankenhaus Bad Schussenried. Aus der Zeit dieses Wanderlebens ist wenig bekannt. Bereits Anfang der 50er Jahre war Erich Müller in Wien wegen Anzeichen von Schizophrenie in Behandlung gewesen. In Schweden brach die Krankheit neuerlich aus. Erich Müller hat später diese Verschlechterung seiner intensiven Beschäftigung mit abstrakter Malerei zugeschrieben. Als hätte sich ihm damals die Ordnung der Dinge verwirrt. Auffallend ist, daß Erich Müller in seinem späteren Werk die Beziehung zu den Gestalten der sichtbaren Welt um ihn herum nie mehr aufgegeben hat, bei aller Fähigkeit zur Abstraktion, zur äußersten Reduktion der Form.

Erich Müller hat meist auf festem, graubraunem Karton gearbeitet, den er beidseitig mit Kaltleim transparent grundiert hatte. Mit Linien in Ultramarinblau legte Erich Müller dann die Ordnung des Bildbaus fest. Er formte den Umriß der Gegenstände, grenzte ein Innen gegen ein Außen ab, bestimmte die Gestalt der Flächen. Das geschah mit großer Sicherheit in kurzer Zeit. Dann wurden die Farben gewählt, meist nur wenige aus einem reichen Vorrat. Mit ihnen bedeckte Erich Müller nun die Flächen zwischen den Linien. Dunkle Farben lassen die Linien verschwinden, helle Farbflächen haben die Linien als festen Umriß. Mitunter bleibt der Bildgrund frei. Auch die Selbstbildnisse sind so entstanden. Ein jedes mit seinem eigenen, einmaligen Gefüge von Linien. Und jedes mit einer einzigartigen Farbzusammenstellung. (Gustav Schörghofer)

Provenienz: Sammlung Peter Bronner, Mengen.–

EUR 800,-- 

Müller, Selbstproträt
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